Kulturfahrt durch das jüdische München
Direkt neben dem ältesten Kloster Münchens, dem Angerkloster, befindet sich seit 2006 das jüdische Zentrum der Stadt. Synagoge, die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern sowie das jüdische Museum liegen hier in direkter Nähe zueinander. Damit hat, auch auf Wunsch von Charlotte Knobloch, der Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern, jüdisches Leben, das in München auf eine fast 1000-jährige Geschichte zurückblicken kann, wieder einen Platz im Herzen der Stadt.
Hinter den Kulissen der Israelitischen Kultusgemeinde
Durch die Kultusgemeinde und die Synagoge führte Ellen Presser, Leiterin des Kulturzentrums der Israelitischen Kultusgemeinde München. Dabei konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kulturfahrt nicht nur den Chor der Gemeinde beim Proben hören, sondern auch das Haus und seine Einrichtungen, wie z.B. den jüdischen Kindergarten, kennenlernen.
Durch einen unterirdischen Gang, dem Gang der Erinnerung mit den Namen der Münchner Opfer des Holocausts, geht es zur Synagoge. Zweimal am Tag findet hier ein Gottesdienst statt. Frauen und Männer sitzen während der Gottesdienste getrennt voneinander. Für die Besuchergruppe gab es allerdings eine Ausnahme, da ja kein Gottesdienst stattfand. Unter dem Dach der Israelitischen Kultusgemeinde gibt es noch zwei weitere Synagogen in Schwabing und in Bogenhausen.
Ellen Presser beantwortete den alle Fragen zum rituellen Ablauf eines jüdischen Gottesdienstes, aber auch zum Judentum allgemein. So erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer etwa, wie man die Gebetbücher für den Gottesdienst richtig verwendet und dass ein Gottesdienst nur stattfinden kann, wenn mindestens 10 Männer anwesend sind. Außerdem sind alle Synagogen Richtung Jerusalem und dem Tempelberg ausgerichtet. Im Anschluss an die interessante und bereichernde Führung durch Frau Presser wartete auf die Gruppe ein koscheres Mittagessen im Restaurant Einstein, das in das Gemeindezentrum integriert ist.
München aus jüdischer Perspektive
Nach israelischer Mezze und gefüllten Teigtaschen stand ein Verdauungsspaziergang durch das jüdische München auf dem Programm. Auf dem Weg zur ersten jüdischen Siedlung in München führte Diana Hipp von Stattreisen auch am ehemaligen Kaufhaus Uhlfelder vorbei, eines der besten Kaufhäuser der Stadt, das aber 1938 zerstört wurde. Heute befindet sich dort das Modehaus Breuninger.
An der Stelle der momentanen Baustelle für die 2. Stammstrecke befand sich einst die erste mittelalterliche jüdische Siedlung. Doch durch Vertreibungen und Pogrome war dieser Standort nicht von langer Dauer. Das Hofbräuhaus verbinden die meisten Touristen wahrscheinlich mit genau einer Sache: Bier. Das Gebäude wurde von einem jüdischen Architekten entworfen. Ab dem 18. Jahrhundert kamen viele Juden als Hoffaktoren nach München. Da es ihnen nicht erlaubt war, eine Synagoge zu errichten, trafen sie sich in einem Wohnhaus im Tal. Heute befindet sich in diesem Haus eine Apotheke und ein Supermarkt. In unmittelbarer Nähe zum Viktualienmarkt wurde im Jahr 1826 eine Synagoge eingeweiht. Heute sind dort mehrere Wohnhäuser zu finden. Auf dem Viktualienmarkt endete schließlich der kurzweilige Ausflug in die jahrhundertealte jüdische Geschichte Münchens.
Jüdisches Leben war und ist Teil des Münchner Stadtbilds und der Stadtgesellschaft, das hat die Kulturfahrt auf jeden Fall gezeigt.
Ein Beitrag von Katharina Bawidamann.
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