„Jüdisches Kulturerbe und Tourismus in Bayern. Modellfall Romantische Straße“

Am 27. November 2025 luden der Bayerische Landesverein für Heimatpflege und der Beauftragte für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus Dr. Spaenle zum Netzwerktreffen in Rothenburg ob der Tauber ein.

 

Entlang der Romantischen Straße in Schwaben und Franken liegt eine ganze Reihe von Orten mit bedeutendem jüdischem Kulturerbe. Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums von Deutschlands beliebtester Ferienstraße widmete sich das Netzwerktreffen der Erschließung und Förderung des touristischen Potentials von Orten mit jüdischem Erbe.

Dass die Romantische Straße nicht nur eine touristische Verbindung bleibe, sondern vor allem auch menschliche Brücke, wünschte Staatsministerin Michaela Kaniber in ihrem Videogrußwort. Zahlreiche Brücken wurden bei der Veranstaltung zwischen Tourismus und jüdischem Kulturerbe entlang der Romantischen Straße geschlagen.

Nach der Begrüßung durch Rothenburgs Oberbürgermeister Dr. Markus Naser, dem Antisemitismusbeauftragten Dr. Ludwig Spaenle und Claudia Binswanger vom Landesverein für Heimatpflege konnte Rothenburgs Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler von Themenführungen über Apps bis zur Aufnahme der Stadt mit dem Thema „Jüdisches Erbe“ in die „Nationale Plattform Zukunft des Tourismus“ besonders beeindruckende Best-Practice-Beispiele vorstellen.

Der größte Teil des jüdischen Erbes befindet sich in kleinen Orten in Franken und Schwaben, wo sich über Jahrhunderte das sogenannte Landjudentum entwickeln konnte. Wie sich diese kleinen Orte zusammenschließen können, um gemeinsam ihr jüdisches Erbe sichtbar zu machen, zeigte Pia Grimmeißen-Haider im folgenden Beitrag. Als Managerin der LAG (Lokalen Aktionsgruppe) Region an der Romantischen Straße war sie federführend bei der Realisierung des LEADER-Projekts „Spuren jüdischen Lebens in Westmittelfranken“.

In zwei Städten an der Romantischen Straße gibt es heute noch aktive jüdische Gemeinden: in Augsburg und in Würzburg. In Augsburg befindet sich zudem mit dem Jüdischen Museum Augsburg Schwaben das älteste selbstständige jüdische Museum in Deutschland. Vor kurzem konnte es sein 40jähriges Bestehen feiern. Seit 2022 ist Frau Dr. Carmen Reichert Direktorin des Museums und verantwortet dort ein umfangreiches Ausstellungs- und Vermittlungsangebot. In ihrem Vortrag beleuchtete sie die Ziel- und Besuchergruppen des Museums.

In einem anschließenden Gespräch, moderiert von Claudia Binswanger, erörterten Dr. Ludwig Spaenle, Jürgen Wünschenmeyer, Geschäftsführer Romantische Straße Arbeitsgemeinschaft GbR, sowie Pfarrer Matthias Knoch aus Gunzenhausen Bedeutung und Perspektiven von Orten mit jüdischem Erbe und Tourismus. Herr Wünschenmeyer brachte dabei seine langjährige Expertise aus dem Tourismusbereich ein, Herr Pfarrer Knoch seine ehrenamtlichen Erfahrungen mit Kontakten zu Nachfahren ehemaliger jüdischer Bewohnerinnen und Bewohner.

Dabei wurde deutlich: Es gibt noch viel Potential, um sowohl deutschen als auch internationalen Touristinnen und Touristen den Schatz nahezubringen, den die Spuren jahrhundertelanger jüdischer Geschichte in Bayern darstellen. Mehr als vierzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer – Haupt- und ehrenamtlich Engagierte aus den Orten an der Romantischen Straße, Vertreterinnen und Vertreter von Touristik, Denkmalpflege und Politik – diskutierten anschließend über Wege zu diesem Ziel.

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