Chanukka – das jüdische Lichterfest
Zu Chanukka gedenken Jüdinnen und Juden an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem. Nachdem die Makkabäer 167 v. Chr. die Seleukidenherrschaft im damaligen Judäa durch einen Aufstand beendeten, war es wieder möglich, jüdischen Glauben auszuleben. Um den Tempel wieder als jüdisches Gotteshaus einzuweihen, zündeten sie eine Menora an, deren Licht in einem jüdischen Tempel eigentlich niemals ausgehen sollte. Das verbliebene Öl im Tempel reichte allerdings nur noch für einen Tag, neues Öl herzustellen dauerte aber acht Tage. Doch wie durch ein Wunder brannte die Lampe ganze acht Tage lang durch. Deswegen wird Chanukka acht Tage lang gefeiert. Und auch der achtarmige Chanukkaleuchter (auch Chanukkia genannt) erinnert an dieses Ereignis.
Im babylonischen Talmud ist bestimmt, dass Chanukka immer am 25. des jüdischen Monats Kislew beginnt. Damit liegt Chanukka je nach Jahr zwischen Anfang und Ende Dezember, von Zeit zu Zeit fallen Weihnachten und Chanukka auch zusammen. Während dieser acht Tage darf weder gefastet noch getrauert werden. An den Abenden versammelt sich die Familie zum Essen und zum Anzünden der Lichter. Jeden Abend wird eine weitere Kerze an der Chanukkia angezündet. Die Kinder bekommen ein kleines Geschenk oder auch Geld, das sie an wohltätige Zwecke spenden sollen.
Chanukka-Traditionen
Eine besondere Tradition ist das Dreidel-Spiel. Ein Dreidel ist ein Kreisel mit vier Seiten, auf denen die hebräischen Buchstaben nun, schin, gimmel und he abgebildet sind, die für Nes gadol haja scham (auf Deutsch: Ein großes Wunder geschah dort) stehen. Die Legende besagt, dass die Seleukiden das Lehren und Lernen aus der Tora verboten haben. Trotzdem vermittelten die Juden weiterhin das Wissen an ihre Kinder. Kontrollierten die Patrouillen der Seleukiden, packten die jüdischen Kinder schnell als Ablenkung ihre Dreidel aus. Vermutlich geht der Dreidel aber auf ein deutsches Kinderspiel aus dem 16. Jahrhundert zurück.
Neben dem ausgelassenen Beisammensein steht das Essen im Vordergrund. Generell stehen Gerichte mit viel Öl auf dem Speiseplan, um auch auf dem Teller an das Ölwunder zu erinnern. Zwei wichtige Spezialitäten sind Latkes und Sufganiyot. Latkes sind eine Art Kartoffelpuffer, die in Bayern, vor allem in der Oberpfalz, ein beliebtes Gericht sind. Sufganiyot ist ein Pendant zum Krapfen und kommt als süßer Snack auf den Tisch.
Was ist Weihnukka?
Weihnukka ist kein offizielles religiöses Fest, sondern vielmehr die Vermischung verschiedener Traditionen aus den beiden Festen Chanukka und Weihnachten. Es ist beliebt bei säkularen Jüdinnen und Juden in den USA und Europa, da sich damit die jüdischen Traditionen mit der vorweihnachtlichen Dezemberstimmung kombinieren lässt.
Ursprünglich entstand das Fest im 19. Jahrhundert in Deutschland. Säkulare Jüdinnen und Juden aus dem Bürgertum begannen, Weihnachten als unreligiöses Winterfest mitzufeiern. Nach und nach übernahmen sie die Bräuche für Chanukka, da beide Feste zeitlich nah beieinander liegen und die Adventszeit immer mehr kommerzialisiert wurde. Erst zu dieser Zeit etablierten sich in Deutschland die klassischen Bräuche wie Weihnachtsbaum, Adventskranz und Co. für die Geburtsfeier Jesus Christus. Durch die Industrialisierung und die Globalisierung im 19. und 20. Jahrhundert adaptierten immer mehr Jüdinnen und Juden den ein oder anderen Weihnachtsbrauch auch für ihr Chanukka.
Tatsächlich kommen das Geldgeschenk und die kleinen Gaben an jedem Chanukkatag von der Gabentradition an Weihnachten. Seit dem 19. Jahrhundert wurde dies nach und nach etabliert. Nach dem Holocaust führten viele jüdische Emigranten Weihnukka bzw. Chrismukkah in den USA fort. Vor allem für religiös gemischte Familien ist Weihnukka ein guter Kompromiss, Elemente beider Feste miteinander zu vereinen. So kommen an die Chanukkia Weihnachtsbaumkugeln oder an den Christbaum spezielle Chanukkakugeln.
Aber nicht bei allen Jüdinnen und Juden findet Weihnukka Anklang. Für säkulare Jüdinnen und Juden, die beides feiern wollen, stehen in diesem Jahr fast 14 Tage Weihnukka bevor.
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